Altweiberfrühling

Das ganze Leben hat die 80-jährige Martha in ihrem kleinen Dorf verbracht. Jetzt ist der Ehemann gestorben, Sohn Walter längst erwachsen und das Leben scheint ihr ohne Sinn. Der familieneigene Tante- Emma-Laden lohnt sich nicht mehr und Walter, inzwischen Dorfpfarrer, möchte die Räume am liebsten ganz für seine Bibelgruppe haben. Doch zum Glück ist Martha nicht allein. Ihre sehr unterschiedlichen Freundinnen Frieda, Hanni und vor allem die quirlige Lisi vermissen die von Depressionen gelähmte Freundin bei der sonntäglichen Kartenrunde, machen sich Sorgen und geben der ehemaligen Schneiderin eine Aufgabe, um sie abzulenken: Zum Chorfest soll sie dem Männerchor eine neue Vereinsfahne nähen. Doch beim gemeinsamen Stoffeinkauf in der Großstadt erinnert sich Martha plötzlich an ihren Jugendtraum. Nach Paris wird sie es nicht mehr schaffen, aber warum eigentlich den Traum von der eigenen Dessous- Boutique mit selbst entworfener Wäsche nicht im heimischen Laden verwirklichen?

Lisi ist sofort Feuer und Flamme, sie unterstützt Martha nach Kräften bei den Vorbereitungen. Hanni, die daheim Mann und »Kinder«versorgt und Frieda, die sich gerade im Altersheim eingewöhnt, stehen dem Projekt skeptischer gegenüber.Als jedoch Walter hart durchgreift und die »Reizwäsche«seiner Mutter kurzerhand auf den Müll wirft, springen auch sie ihr empört bei: Mit achtzig ist man doch nicht automatisch unmündig! Die »Omas«proben den Aufstand und zeigen gemeinsam dem Rest der Welt: Für große Träume ist es nie zu spät.

Die eigensinnige Witwe und ihre Freundinnen, die sich nicht unterkriegen lassen und das Leben in dem verschlafenen Dörfchen mit Charme, Herz und Biss gehörig auf den Kopf stellen, sind Traumrollen für vier erfahrene Schauspielerinnen mit Freude am Spiel. Die hochdeutsche Bühnenbearbeitung holt den Stoff aus dem schweizerischen Emmental, wo der Film angesiedelt war, heraus und verlagert den schweizerischen Berg-Tal-Konflikt in die universelle Stadt-Land-Problematik. Auf anrührende Weise erzählt die Komödie dabei vom Alter, von der zweiten Chance im Leben und vom Mut, der nötig ist, um sie zu nutzen – denn für die Befreiung aus Konventionen ist es nie zu spät. (www.theatertexte.de)

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